Standortseiten haben einen schlechten Ruf, und meistens zu Recht. Der übliche Bauplan ist eine Vorlage, in die ein Städtename eingesetzt wird, 38 Mal. Google nennt das Doorway-Pages und stuft solche Sammlungen ab. Wir betreiben trotzdem 38 davon, weil die Nachfrage real ist: Wer in Kiel eine Software bauen lassen will, sucht nach Kiel.
Die Frage ist also nicht, ob man Standortseiten baut, sondern ob man beweisen kann, dass sie sich unterscheiden. Beweisen heißt messen.
Wie wir Ähnlichkeit messen
Wir crawlen alle 38 Seiten, ziehen den sichtbaren Text heraus und ersetzen jeden Treffer des Städtenamens durch einen Platzhalter. Das Maskieren ist der entscheidende Schritt: Ohne es sieht jede Seite einzigartig aus, weil in jedem zweiten Satz ein anderer Städtename steht. Danach zerlegen wir den Text in überlappende Fünf-Wort-Folgen und vergleichen jedes Seitenpaar über den Jaccard-Index — den Anteil geteilter Folgen an allen Folgen beider Seiten.
Bei 38 Seiten sind das 703 Paarvergleiche. Der Mittelwert ist die Zahl, auf die es ankommt.
Das Ergebnis war unbequem
Unsere Seiten lagen bei 0,55 — also 45 Prozent einzigartiger Text nach Maskierung. Jede Seite hatte einen ordentlichen, eigens geschriebenen Teil: einen Absatz über die lokale Wirtschaft, drei Branchen, wer dort typischerweise beauftragt, Stadtteile, zwei ortsspezifische Fragen. Nur war der Rest der Seite auf allen 38 identisch.
- Sechs Prozessschritte, Wort für Wort dieselben wie auf der Leistungsseite
- Sechs Leistungsbeschreibungen, die auf den verlinkten Leistungsseiten ausführlich stehen
- Vier Gründe, warum man mit uns arbeiten sollte — Aussagen über das Studio, nicht über die Stadt
- Eine Technologieliste, identisch mit dem Abschnitt auf /services
- Eine allgemeine Preisfrage, deren Antwort die Stadt nicht erwähnte
Zusammen war das mehr als die Hälfte jeder Seite. Der Reflex ist, mehr einzigartigen Text zu schreiben. Das ist der falsche Reflex: 38 mal 150 Wörter über lokale Softwaremärkte, die niemand recherchiert hat, sind genau die Doorway-Page in neuem Anstrich.
Was wir stattdessen gemacht haben
Wir haben gestrichen. Jeder der geteilten Blöcke stand bereits an einer Stelle, an die er gehört — die Prozessbeschreibung auf der Leistungsseite, die Leistungstexte auf den sechs Leistungsseiten, die Gründe auf der Über-uns-Seite, der Stack im Technologieabschnitt. Auf den Standortseiten stehen jetzt Überschrift und Link statt der Wiederholung.
Nach dem Streichen: 0,39 paarweise Ähnlichkeit, also 61 Prozent einzigartiger Text. Die Seiten sind von 686 auf 547 Wörter geschrumpft — und der Anteil, der wirklich über die Stadt spricht, ist von der Hälfte auf fast zwei Drittel gestiegen.
Eine kürzere Seite, die überwiegend über ihr Thema spricht, ist besser als eine lange, die zur Hälfte über etwas anderes spricht.
Was wir daraus mitnehmen
- Maskiere den variablen Teil, bevor du misst. Sonst misst du den Städtenamen.
- Zu wenig Einzigartiges ist selten das Problem. Zu viel Wiederholtes fast immer.
- Jeder Textblock gehört genau einer Seite. Alles andere ist ein Link.
- Miss nach jeder Änderung neu. Eine Zahl, die niemand nachrechnet, ist eine Meinung.
Die 60-Prozent-Marke ist keine offizielle Google-Schwelle — es gibt keine veröffentlichte Zahl. Sie ist eine Arbeitsgrenze, an der sich prüfen lässt, ob man auf der richtigen Seite steht. Wichtiger als die Zahl ist, dass man sie überhaupt kennt.