Das Sicherheitsunternehmen XBOW hat am 13. Oktober veröffentlicht, wie ein Forschungsteam mit Unterstützung von GPT-5.6 Sol innerhalb von sechs Tagen eine vollständige Chrome-Angriffskette für Windows erstellte. Google bestätigte die gemeldeten Schwachstellen, schloss sie und vergab nach Angaben von XBOW eine Prämie von 250.000 US-Dollar. Die verwendete Modellrechenzeit kostete laut Unternehmen rund 40.000 US-Dollar.
Der sechstägige Versuch fand vom 2. bis 7. August statt. Die öffentliche Beschreibung erschien erst nach der Behebung der Fehler. XBOW schätzt, dass die betroffenen Chrome-Versionen von etwa einer Milliarde Menschen genutzt wurden. Das ist eine Expositionsschätzung, keine Zahl angegriffener Geräte. Eine Ausnutzung der gefundenen Fehler gegen Nutzer ist nicht belegt.
Die Agenten bearbeiteten Teilprobleme, Menschen entschieden über die Kette
Die Untersuchung betraf drei voneinander abhängige Sicherheitsgrenzen innerhalb des Browsers. Die Forschung begann bei der Verarbeitung von Webinhalten und endete bei der Frage, ob ein Programm die Browser-Isolation verlassen konnte. Für die technische Einordnung genügt diese Abfolge: Es ging um einen vollständigen, kontrolliert nachgewiesenen Übergang durch mehrere Schutzschichten und nicht um einen einzelnen Absturz.
XBOW zufolge durchsuchten AI-Agenten den Quellcode, überprüften Hypothesen und erstellten erste Testprogramme. Menschliche Forscher bestimmten die Ziele, prüften die Ergebnisse und entschieden, welche Befunde zusammenpassten. Als Google einen Teil einer früheren Kombination bereits kannte, musste das Team seine Auswahl ändern.
Damit lässt sich der Befund nicht als vollständig autonome Entdeckung einer Angriffskette durch ein einzelnes Modell darstellen. Der Hersteller beschreibt einen aufwendigen menschlich gesteuerten Forschungsprozess mit parallel nutzbaren AI-Werkzeugen.
Der gemessene Aufwand ist konkret, aber kein allgemeiner Vergleichswert
Die sechs Tage und 40.000 US-Dollar sind XBOWs Angaben zu einem erfolgreichen Forschungsdurchlauf. Wie viele frühere Versuche scheiterten und wie hoch die gesamten Entwicklungskosten des Harness waren, geht daraus nicht vollständig hervor. Die oft zitierte Gegenüberstellung mit monatelanger manueller Arbeit stammt aus einer Schätzung des Unternehmens, nicht aus einer kontrollierten Vergleichsstudie.
Unabhängig von diesen Einschränkungen ist das Ergebnis greifbar: Google nahm die Befunde an und veröffentlichte Korrekturen. The Register bestätigte am 14. Oktober die wesentlichen Angaben zur Arbeitsteilung und zum Bug-Bounty.
Für Entwickler von Browsern, Laufzeitumgebungen und Agenten-Sandboxes ist die praktische Konsequenz eng umrissen. Sicherheitsprüfungen sollten nicht nur isolierte Komponenten betrachten, sondern auch, ob mehrere bereits vorhandene Schutzgrenzen in Kombination versagen. Bei Chrome müssen installierte Updates außerdem durch einen Neustart des Browsers wirksam werden.
Quellen: XBOW Research, 13.10.2026: https://xbow.com/blog/xbow-built-a-chrome-full-chain-exploit ; The Register, 14.10.2026: https://www.theregister.com/security/2026/10/14/security-researchers-spent-6-days-doing-their-chromework-built-1b-user-exploit/5303134