Anthropic hat am 15. Oktober sechs Mitarbeitenden der unabhängigen Forschungsorganisation METR Zugang zu internen Werkzeugen und Arbeitsabläufen eingeräumt. Laut Unternehmen entspricht der Zugriff weitgehend dem seiner eigenen Teams für Risikobewertungen. METR soll auch unveröffentlichte Modelle, interne Vorfälle und die Wirksamkeit von Sicherheitsmaßnahmen untersuchen können.
METR kann Ergebnisse ohne Freigabe durch Anthropic veröffentlichen
Die sechs Forschenden erhalten Unternehmensgeräte, Arbeitsplätze und Zugang zu internen Systemen. Andere Mitarbeitende von METR sind von diesen internen Informationen getrennt. Kundendaten, rechtlich geschützte Kommunikation und bestimmte Informationen über Modellarchitekturen bleiben ausgeschlossen.
Anthropic erklärt ausdrücklich, dass es die Veröffentlichung von METR-Berichten nicht verhindern kann. Für vorab definierte vertrauliche Informationsklassen darf das Unternehmen Schwärzungen verlangen. METR darf öffentlich erklären, ob es diese Eingriffe für gerechtfertigt hält, ohne die geschützten Informationen selbst offenzulegen.
Reuters bestätigte am 15. Oktober die Vereinbarung und berichtete zugleich über frühere Verhandlungen, in denen AI-Unternehmen stärkere Kontrolle über externe Veröffentlichungen angestrebt hatten. Die vertraglich zugesagten Rechte sind damit konkret, ihre praktische Belastbarkeit bei strittigen Ergebnissen aber noch nicht erprobt.
Drei Zugangsstufen trennen Einsicht und Publikationsrechte
Anthropic beschreibt ein neues System mit drei Stufen. In der ersten erhalten externe Prüfer nur aufgabenbezogene Informationen und benötigen eine Freigabe zur Veröffentlichung. In der zweiten können sie umfangreicher prüfen und ohne vorherige Genehmigung berichten, vorbehaltlich eng begrenzter Schwärzungen. Die dritte Stufe ergänzt diesen Rahmen um den internen Zugang, den METR nun erhält.
SecureBio arbeitet derzeit in der ersten Stufe. Weitere Kooperationen mit Accenture und Faculty befinden sich laut Anthropic noch im Aufbau.
Die neue Struktur betrifft die Methodik unabhängiger Frontier-Evaluationen. Ein externer Test, der nur eine Modell-API sieht, kann interne Trainingsverläufe, abgebrochene Versuche oder die Auswahl von Evaluationsfällen nicht ohne Weiteres prüfen. Mit Zugang zu diesen Informationen lassen sich auch Fehlhandlungen untersuchen, die in veröffentlichten Model Cards fehlen könnten.
METR hat am 14. Oktober selbst vorgeschlagen, für Alignment-Bewertungen interne Vorfallprotokolle, Trainingsdaten über beobachtetes Fehlverhalten und die Grenzen von Simulationen systematisch zu untersuchen. Das ist bislang ein Prüfkonzept, kein bereits veröffentlichtes Ergebnis aus dem neuen Anthropic-Zugang.
Die erste unabhängige Auswertung steht noch aus
Aus dem Zugang folgt noch keine Aussage, dass ein bestimmtes Anthropic-Modell sicher oder unsicher ist. Entscheidend wird sein, welche Untersuchungen METR tatsächlich durchführt, welche Informationen ausgeschlossen bleiben und ob spätere Berichte strittige Befunde transparent darstellen.
Quellen: Anthropic, 15.10.2026: https://www.anthropic.com/news/an-update-on-independent-evaluators ; Reuters, 15.10.2026: https://www.reuters.com/business/anthropic-grants-ai-evaluator-metr-employee-level-access-its-models-2026-10-15/ ; METR, 14.10.2026: https://metr.org/blog/2026-10-14-alignment-assessment-proposal/