Anthropic hat am 8. Oktober 2026 neue Zahlen aus seiner automatisierten Schwachstellensuche veröffentlicht. In sechs Monaten identifizierten die eingesetzten Modelle mehr als 29.000 mögliche Sicherheitslücken. Rund 6.000 davon konnte das Team manuell prüfen und einordnen. Für die übrigen Kandidaten fehlt diese Validierung. Mit dem neuen OSS Scanner sollen Open-Source-Maintainer auf Wunsch regelmäßig auch ungeprüfte Modellberichte erhalten.
Das ist eine andere Zahl als die 129.000 verifizierten Schwachstellen, die Anthropic zuvor für das gesamte Project Glasswing und dessen Partner gemeldet hatte. Die 29.000 sind Kandidaten aus eigenen Scans; sie dürfen nicht als bestätigte Bugs gezählt werden.
Maintainer bekommen Reproducer und Patch-Vorschläge ohne Vorprüfung
OSS Scanner ist ein Opt-in-Angebot für Open-Source-Projekte. Die Berichte enthalten nach Angaben von Anthropic eine Fehlererklärung, einen reproduzierbaren Testfall und, soweit vorhanden, einen Patch-Vorschlag. Wo möglich, wird auch eingegrenzt, mit welcher Änderung der Fehler eingeführt wurde. Das Unternehmen setzt dafür unter anderem Claude Mythos ein.
Bisher schickte Anthropic über den üblichen Coordinated-Vulnerability-Disclosure-Prozess menschlich geprüfte Funde. Bei OSS Scanner entfällt diese Zwischenstufe ausdrücklich. Maintainer entscheiden selbst, welche Ergebnisse sie nachvollziehen, priorisieren und beheben. Anthropic hat nach eigenen Angaben bereits knapp 5.000 Berichte auf ausdrücklichen Wunsch von Maintainern verschickt, obwohl diese nicht sämtlich validiert waren.
Erste Rückmeldungen zeigen Nutzen und Grenzen
Die Pilotphase umfasste Dutzende Projekte. In der von Anthropic veröffentlichten Rückmeldung berichtet wolfSSL von 74 erhaltenen Meldungen; 72 davon seien gültig gewesen, fünf hätten zu CVEs geführt. Das ist eine Aussage eines einzelnen Maintainers über seine Stichprobe, keine gemessene Trefferquote des gesamten Scanners. Auch OpenSSL und PostgreSQL berichten in der Anthropic-Veröffentlichung von verwertbaren Ergebnissen.
Fehlerhafte Schweregrade und Missverständnisse über das Bedrohungsmodell bleiben möglich. Die Meldungen werden ausdrücklich ohne menschliche Triage versendet. Ein reproduzierbarer Testfall verkürzt die Prüfung, ersetzt aber weder die Bestätigung des Bugs noch die Bewertung, ob ein Patch in der jeweiligen Version sicher eingespielt werden kann.
Die Engstelle liegt zwischen Fund und Fix
Für Maintainer verschiebt sich die Arbeit: Mehr Kandidaten treffen schneller ein, während das Nachstellen, Zuordnen, Beheben und Veröffentlichen weiterhin Zeit kostet. Sinnvoll ist deshalb eine getrennte Warteschlange für ungeprüfte Modellfunde, mit klarer Kennzeichnung des Validierungsstands. Eine Meldung sollte erst nach eigener Reproduktion als bestätigte Schwachstelle in Release-Notes oder Sicherheitsadvisories auftauchen.
Das neue Angebot liefert bisher keine unabhängige Messung von False Positives, Fix-Dauer oder langfristiger Patch-Qualität. Die Angaben zu den Scans und die zitierten Maintainer-Rückmeldungen stammen aus Anthropics eigener Veröffentlichung. The Verge bestätigt die Einführung und weist ebenfalls auf die fehlende menschliche Vorprüfung hin.
Quellen: Anthropic Frontier Red Team, 8. Oktober 2026, https://www.anthropic.com/research/launching-opt-in-vuln-finding-service-for-open-source ; The Verge, 8. Oktober 2026, https://www.theverge.com/ai-artificial-intelligence/1008521/anthropic-open-source-oss-scanner